Bava Kamma 99

Kapitel 99

א בבור ברשותו ר"ע סבר בור ברשותו נמי חייב דכתיב (שמות כא, לד) בעל הבור בבור דאית ליה בעלים קאמר רחמנא
1 eine Grube auf eigenem Gebiete. R. A͑qiba ist der Ansicht, man sei auch für eine Grube auf eigenem Gebiete ersatzpflichtig, denn es heißt:<i>der Eigentümer der Grube</i>, der Allbarmherzige spricht von einer Grube, die Eigentümer hat;
ב ור' ישמעאל סבר בעל התקלה
2 R. Jišma͑él aber ist der Ansicht, darunter sei der Eigentümer des Hindernisses zu verstehen. –
ג אלא מאי זהו בור האמור בתורה דקאמר ר"ע זהו בור שפתח בו הכתוב תחלה לתשלומין
3 Wie sind nun [die Worte:] das ist die Grube, von der in der Tora gesprochen wird, die R. A͑qiba gebraucht, zu verstehen. – Dies ist die Grube, mit der die Schrift hinsichtlich der Bezahlung beginnt.
ד ורב יוסף אמר בבור ברה"י כולי עלמא לא פליגי דמחייב מאי טעמא בעל הבור אמר רחמנא בבור דאית ליה בעלים עסקינן
4 R. Joseph sagte: Alle stimmen überein, daß man wegen einer Grube auf Privatgebiet ersatzpflichtig sei, denn der Allbarmherzige sagt: <i>der Eigentümer der Grube</i>, er spricht also von einer Grube, die einen Eigentümer hat;
ה כי פליגי בבור ברה"ר רבי ישמעאל סבר בור ברה"ר נמי חייב דכתיב כי יפתח וכי יכרה אם על פתיחה חייב על כרייה לא כ"ש אלא שעל עסקי פתיחה ועל עסקי כרייה באה לו
5 sie streiten nur über eine Grube auf öffentlichem Gebiete. R. Jišma͑él ist der Ansicht, man sei auch für eine Grube auf öffentlichem Gebiete ersatzpflichtig, denn es heißt: <i>wenn jemand [eine Grube] öffnet oder gräbt</i>, und da man, wenn man wegen des Öffnens ersatzpflichtig ist, um so mehr wegen des Grabens ersatzpflichtig ist, so besagt dies, daß er nur wegen des Öffnens und Grabens ersatzpflichtig ist;
ו ור"ע הנהו מיצרך צריכי דאי כתב רחמנא כי יפתח הוה אמינא פותח הוא דסגי ליה בכסוי כורה לא סגי ליה בכסוי עד דטאים ליה
6 R. A͑qiba aber [ist der Ansicht,] beides sei nötig. Würde der Allbarmherzige es nur vom Öffnen geschrieben haben, so könnte man glauben, nur beim Öffnen genüge das Zudecken, wenn man aber eine gräbt, genüge das Zudecken nicht, vielmehr müsse man sie zuschütten.
ז ואי כתב רחמנא כי יכרה הוה אמינא כרייה הוא דבעי כסוי משום דעבד מעשה אבל פותח דלא עבד מעשה אימא כסוי נמי לא בעי קמ"ל
7 Und wenn der Allbarmherzige es nur vom Graben geschrieben hätte, so könnte man glauben, man müsse sie nur dann zudecken, wenn man sie selber gräbt, weil man eine Handlung ausübt, wenn man aber eine öffnet, also keine Handlung ausübt, brauche man sie nicht einmal zuzudecken, so lehrt er uns. –
ח ואלא מאי זהו בור האמור בתורה דקאמר ר' ישמעאל זהו בור שפתח בו הכתוב תחלה לניזקין
8 Wie sind nun [die Worte:] das ist die Grube, von der in der Tora gesprochen wird, die R. Jišma͑él gebraucht, zu verstehen? – Dies ist die Grube, mit der die Schrift hinsichtlich der Bezahlung beginnt.
ט מיתיבי החופר בור ברה"ר ופתחו לרה"י פטור ואף על פי שאינו רשאי לעשות כן לפי שאין עושין חלל תחת רה"ר
9 Man wandte ein: Wer eine Grube auf öffentlichem Gebiete gräbt und sie nach Privatgebiet hin öffnet, ist ersatzfrei, obgleich man dies nicht tun darf, denn es ist verboten, unter öffentlichem Gebiete eine Höhle zu graben.
י החופר בורות שיחין ומערות ברשות היחיד ופתחו לרה"ר חייב והחופר בורות ברה"י הסמוכה לרשות הרבים כגון אלו החופרים לאושין פטור ור' יוסי בר' יהודה מחייב עד שיעשה מחיצה עשרה או עד שירחיק ממקום דריסת רגלי אדם וממקום דריסת רגלי בהמה ארבעה טפחים
10 Wer Gruben, Graben und Höhlen auf Privatgebiet gräbt und sie nach öffentlichem Gebiete hin öffnet, ist ersatzpflichtig. Wer eine Grube gräbt auf Privatgebiet, das an öffentliches Gebiet anstößt, wie es zum Beispiel beim Graben von Fundamenten geschieht, ist ersatzfrei, nach R. Jose b. Jehuda aber ersatzpflichtig, es sei denn, daß er einen zehn [Handbreiten] hohen Zaun errichtet oder vier Handbreiten von der Stelle, da Menschen oder Tiere gehen, eingerückt hat.
יא טעמא דלאושין הא לאו לאושין חייב
11 Nur wenn es zu einem Fundamente geschieht, sonst aber ist er ersatzpflichtig.
יב הא מני בשלמא לרבה רישא ר' ישמעאל וסיפא ר"ע
12 Nach wessen Ansicht: allerdings vertritt nach Rabba der Anfangsatz die Ansicht R. Jišma͑éls und der Schlußsatz die des R. A͑qiba;
יג אלא לרב יוסף בשלמא סיפא דברי הכל אלא רישא מני לא רבי ישמעאל ולא ר"ע
13 nach R. Joseph aber ist zwar der Schlußsatz nach aller Ansicht zu erklären, der Anfangsatz aber vertritt ja weder die Ansicht R. Jišma͑éls noch die des R. A͑qiba!? –
יד אמר לך רב יוסף כולה דברי הכל היא ורישא שלא הפקיר לא רשותו ולא בורו
14 R. Joseph kann dir erwidern: das ganze ist nach aller Ansicht zu erklären, denn der Anfangsatz spricht von dem Falle, wenn er weder sein Gebiet noch seine Grube preisgegeben hat.
טו אמר רב אשי השתא דאוקימתא לרב יוסף לדברי הכל לרבה נמי לא תוקמה כתנאי
15 R. Aši sagte: Da du sie nach R. Joseph nun nach aller Ansicht erklärt hast, so braucht sie auch nach Rabba nicht verschiedenen Tannaím addiziert zu werden.
טז מדרישא ר' ישמעאל סיפא נמי ר' ישמעאל וטעמא דלאושין הא לאו לאושין חייב כגון דארווח ארווחי לרה"ר
16 Wenn der Anfangsatz die Ansicht R. Jišma͑éls vertritt, so vertritt auch der Schlußsatz die Ansicht R. Jišma͑éls, denn hier handelt es sich um den Fall, wenn er das öffentliche Gebiet erweitert hat, daher ist er nur dann [frei], wenn dies zu einem Fundament geschah, wenn aber nicht, so ist er ersatzpflichtig.
יז מיתיבי החופר בור ברשות היחיד ופתחו לרה"ר חייב ברה"י הסמוכה לרה"ר פטור בשלמא לרבה כולה ר' ישמעאל היא אלא לרב יוסף בשלמא רישא רבי ישמעאל אלא סיפא מני לא ר' ישמעאל ולא ר"ע
17 Man wandte ein: Wer eine Grube auf Privatgebiet gräbt und sie nach öffentlichem Gebiete hin öffnet, ist ersatzpflichtig; wenn aber auf Privatgebiet, das an öffentliches Gebiet anstößt, so ist er ersatzfrei. Einleuchtend ist es nun nach Rabba, denn das ganze vertritt die Ansicht R. Jišma͑éls, nach R. Joseph aber vertritt zwar der Anfangsatz die Ansicht R. Jišma͑éls, der Schlußsatz aber vertritt ja weder die Ansicht R. Jišma͑éls noch die des R. A͑qiba!? –
יח אמר לך בחופר לאושין ודברי הכל:
18 Er kann dir erwidern: wenn er sie zu einem Fundament gräbt, also nach aller Ansicht.
יט ת"ר חפר ופתח ומסר לרבים פטור חפר ופתח ולא מסר לרבים חייב וכן מנהגו של נחוניא חופר בורות שיחין ומערות שהיה חופר ופותח ומוסר לרבים וכששמעו חכמים בדבר אמרו קיים זה הלכה זו הלכה זו ותו לא אלא אימא אף הלכה זו:
19 Die Rabbanan lehrten: Wer [einen Brunnen] gräbt oder öffnet und ihn dem Publikum übergibt, ist ersatzfrei, wenn er aber einen gräbt oder öffnet und ihn dem Publikum nicht übergibt, so ist er ersatzpflichtig. So pflegte auch Neḥunja der Brunnengräber zu verfahren; er grub oder öffnete sie und übergab sie dem Publikum. Als die Weisen davon hörten, sprachen sie: Dieser hat diese Halakha gehalten. – Diese und weiter keine!? – Sage: auch diese Halakha.
כ תנו רבנן מעשה בבתו של נחוניא חופר שיחין שנפלה לבור גדול באו והודיעו את רבי חנינא בן דוסא שעה ראשונה אמר להם שלום שניה אמר להם שלום שלישית אמר להם עלתה
20 Die Rabbanan lehrten: Einst fiel die Tochter Neḥunja des Brunnengräbers in einen großen Brunnen. Da berichtete man es R. Ḥanina b. Dosa. In der ersten Stunde sprach er zu ihnen: Friede, in der zweiten sprach er zu ihnen: Friede, in der dritten sprach er zu ihnen: sie ist bereits heraufgekommen.
כא אמרו לה מי העלך אמרה להם זכר של רחלים נזדמן לי וזקן אחד מנהיגו אמרו לו נביא אתה אמר להם לא נביא אנכי ולא בן נביא אנכי אלא כך אמרתי דבר שאותו צדיק מצטער בו יכשל בו זרעו
21 Als man sie darauf fragte, wer sie heraufgebracht habe, erwiderte sie: Ein männliches Schaf, das von einem Greise geführt wurde, stellte sich zu mir ein. Darauf sprachen sie zu ihm: Bist du denn ein Prophet? Er erwiderte ihnen: Ich bin weder ein Prophet noch Sohn eines Propheten, aber ich sagte mir wie folgt: sollte denn an einem Werke, mit dem dieser Fromme sich abmüht, sein Kind verunglücken.
כב אמר רבי אחא אף על פי כן מת בנו בצמא שנאמר (תהלים נ, ג) וסביביו נשערה מאד מלמד שהקדוש ברוך הוא מדקדק עם סביביו אפילו כחוט השערה ר' נחוניא אמר מהכא (תהלים פט, ח) אל נערץ בסוד קדושים רבה ונורא על כל סביביו
22 R. Aḥa sagte: Dennoch starb seine Tochter vor Durst. Es heißt nämlich:<i>rings um ihn stürmt es gewaltig</i>, dies lehrt, daß es der Heilige, gepriesen sei er, mit seiner Umgebung haargenau nimmt. R. Neḥunja sagte: Hieraus:<i>Gott ist schrecklich im Rate der Heiligen und furchtbar für alle, die ihn umgeben</i>.
כג אמר ר' חנינא כל האומר הקב"ה ותרן הוא יותרו חייו שנאמר (דברים לב, ד) הצור תמים פעלו כי כל דרכיו משפט א"ר חנא ואיתימא ר' שמואל בר נחמני מאי דכתיב
23 R. Ḥanina sagte: Wer da sagt, der Heilige, gepriesen sei er, sei übersehend, dessen Leben werde übersehen, denn es heißt:<i>er ist ein Fels, vollkommen ist sein Tun, denn Recht sind alle seine Wege</i>. R. Ḥana, nach anderen R. Šemuél b. Naḥmani, sagte: Es heißt: